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Auf den Spuren der Geschichte – Unser Tandem des Monats im Juni:     Zahra und Sarah














Im Juni ging es mit unserem Tandem des Monats nach Potsdam. Eine Radtour zum Schloß Sanssouci haben Zahra und Sarah geplant. Kurz bevor es losgeht droht der Ausflug jedoch zu platzen. Einer von Zahras Brüdern ist mit ihrem Fahrrad unterwegs, um Besorgungen zu machen.

Die zehnköpfige Familie aus Afghanistan hat noch ein zweites Fahrrad. Doch das ist viel zu groß. „Du kannst es mit meinem versuchen. Ich nehme dann das größere“ schlägt Sarah vor. Zahra beäugt das Mountainbike ihrer Mentorin kritisch. Sie ist etwas aus der Übung. Bevor sie nach Deutschland gekommen ist, hat sie mit ihrer Familie im Iran gelebt und dort mit elf Jahren Fahrradfahren gelernt. Ein Jahr später galt sie schon als Frau und durfte nicht mehr fahren. Trotzdem versucht sie sich jetzt am Mountainbike.

Nach den ersten etwas wackligen Runden wird sie sicherer und wir machen uns vorsichtig auf den Weg. Vom Fenster aus beobachtet uns Zahras Vater schmunzelnd und winkt zum Abschied. Es stört ihn kein bisschen, dass seine Tochter Fahrrad fährt. Auch seine anderen Töchter dürfen viel mehr als früher. Zum Beispiel selbst entscheiden, ob sie ein Kopftuch tragen möchten. Zahra hat es mit und ohne ausprobiert und sich dann dafür entschieden. Um sich vor der Sonne zu schützen, kombiniert sie dazu noch ein Basecap ihres Bruders. Steht ihr gut – genauso wie das neue sportliche Rad.

 Am Park Sanssouci angekommen, muss das aber draußen bleiben. Es geht zu Fuß weiter vorbei am Schloss und dem chinesischen Teehaus.


Wir sprechen über Friedrich den Großen, der Sanssouci erbaut hat, über Kriege und Politik in Europa und kommen irgendwann bei Viktor Orbán, Donald Trump und den Briten an. Ein Thema beschäftigt die 16-jährige Zahra besonders: Religion. Müssen Muslime sich in Deutschland eigentlich christlich taufen lassen? „Das ist doch nicht ehrlich“ empört sie sich. „Im Herz bleibe ich immer Moslem.“ - „Keine Sorge“ beruhigt Sarah sie. „In Deutschland kann man jede Religion haben. Das ist egal. Man kann sogar gar keine Religion haben.“ Zahra kann das fast nicht glauben. Sie hat Angst, hier als Muslimin nicht anerkannt und schlimmstenfalls wieder zurückgeschickt zu werden. Wie selbstverständlich ist Religionsfreiheit eigentlich? Wir kommen ins Grübeln. Uns fällt wieder Friedrich ein, der schon im 18. Jahrhundert alle Religionen seiner Untertanen tolerierte. „Hier soll ein jeder nach seiner Fasson glücklich werden“ war sein Motto. Dank Grundgesetz gilt das zum Glück jetzt auch für Zahra.