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Ab auf die Eisbahn! – Unser Tandem des Monats im Januar: Zaidan und Johanna















Heute geht es mit Johanna und Zaidan zusammen auf die Eisbahn. Nach langer Zeit können beide mal wieder entspannen.
Der Anfang ihrer Mentoring-Beziehung war gar nicht leicht. Zaidan lebte in einer Eventhalle mit 600 anderen Geflüchteten.
Nach seinem 18. Geburtstag wurde Zaidans Jugendhilfe-Betreuung nicht verlängert. Der Zustand in der Eventhalle war unerträglich.
Das Lernen für die Schule musste auf der Strecke bleiben, denn in der Notunterkunft gab es keine Rückzugsmöglichkeit.
Sein „Zimmer“ teilte er sich mit neun anderen jungen Männern. Johanna bewirkte beim Jugendamt eine Verlängerung der Jugendhilfe.
Anfang Januar diesen Jahres bezog Zaidan endlich eine Einzimmerwohnung und wird mehrmals die Woche
von einem Sozialarbeiter unterstützt.

Zaidan verließ vor über einem Jahr sein Heimatland, den Irak. Er wuchs in einer Großfamilie in Shingal auf.
Sie sind jezidische Kurden und mussten im Jahr 2014 vor dem IS fliehen. Seine Familie hat viele Strapazen erlitten
und schließlich alles verloren. Zaidan sah in seiner Heimat keine Zukunft mehr und floh nach Deutschland.
Hier möchte er sich ein Leben aufbauen, einen Beruf erlernen, eine eigene Familie gründen und am liebsten seine Familie
aus dem Irak nach Deutschland holen. Ob das realistisch ist, entscheidet sich erst, wenn der Asylbescheid endlich da ist.
„Ich habe Angst, dass ich zurückgehen muss. Tränen habe ich keine mehr, ich möchte einfach nur Hilfe, denn ich bin hier sehr alleine.“

Damit Zaidan sich hier nicht mehr ganz so einsam fühlt, versucht Johanna ihn einmal die Woche zu treffen.
Neben ihrer Tätigkeit als Juristin ist das nicht immer leicht.

Zaidan besucht die Willkommensklasse und arbeitet ehrgeizig an seinem A2 Level in Deutsch. Vielleicht kann er im Sommer
in eine Regelklasse wechseln, um seinen mittleren Schulabschluss zu machen. „Mein Zeugnis ist das beste in der Klasse“, erzählt er stolz.
In welche Richtung es beruflich gehen soll ist noch unklar. Im Februar wird es erstmal filmisch,
Zaidan macht ein Praktikum bei der Berlinale. Seinen Verdienst möchte er in ein neues Telefon investieren. Zaidan telefoniert
regelmäßig mit seiner Familie, doch seine kleine dreijährige Schwester erkennt ihn nicht mehr, das schmerzt.
Er hofft, sie irgendwann wieder zu sehen.

Auf der Eisbahn kann Zaidan vielleicht für kurze Zeit alle ungeklärten Fragen, Zukunftsängste und Sehnsüchte vergessen.
Also los, dreht eure Runden und viel Erfolg euch beiden!