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Nicht ohne Schreibutensilien – Unser Tandem des Monats im August: Eshaghali und Jens














Ohne Papier und Stift geht gar nichts. Wenn Jens sich mit seinem Mentee Eshaghali trifft, hat er immer seine Schreibutensilien parat. Denn Eshaghali lernt erst seit zwei Monaten Deutsch und mit Bildsprache ist vieles leichter zu erklären. Mit seinen beiden Cousins floh der 18-jährige aus Afghanistan über das Mittelmeer und die Balkanroute. Etwa acht Monate war er auf der Flucht. Hier in Berlin wagt er einen Neuanfang. Seit einigen Wochen begleitet Jens ihn auf diesem Weg.

Heute treffen wir die beiden in den Prinzessinnengärten in Kreuzberg. Eshaghali kann sich mittlerweile selbständig in Berlin bewegen. Er ist zurückhaltend und bescheiden. Wenn Jens ihm etwas zu Essen oder zu Trinken anbietet, lautet die Antwort häufig erst einmal nein. Doch Jens lässt nicht locker, es gibt Apfelschorle für alle. Und Brot aus Kartoffeln mit Zwiebeln. Das hat Eshaghali extra für uns gebacken, sehr würzig und lecker. Zwei Stunden lang erhalten wir einen Einblick in seine Familiengeschichte und Kultur. Häufig behelfen wir uns mit Zeichnen. Eshaghalis Vater hat einen Supermarkt und arbeitete früher als Landwirt. Doch eines verstehen wir nicht – wie der Handel funktioniert. Obst oder Kartoffeln werden zum Beispiel verschenkt. Wir sind uns sicher, Eshaghali wird uns in ein paar Monaten alles genauer erklären. In Gesprächen mit Jens lernt Eshaghali spielerisch Deutsch, wir spüren seine Lust sich ausdrücken. Jens möchte auch etwas Persisch lernen, die Zahlen bis 30 beherrscht er schon. Mit Freunden bei einem Spieleabend zählt Jens tapfer Persisch und Eshaghali Deutsch.

Für Eshaghali bedeutet Ankommen in Deutschland auch ein Gewöhnen an neue Gepflogenheiten. Jens bringt ihm das Vereinbaren von Terminen näher, für Eshaghali früher in seiner Heimat völlig unvorstellbar. Nicht einmal die Namen aller Monate sind dort geläufig. Jens kann es kaum fassen. Wie soll das funktionieren? Beide lachen.

Doch es geht nicht immer nur lustig zu bei unserem Tandem des Monats. Zurzeit lebt Eshaghali mit 200 Personen in einer Turnhalle, das ist kein Zuckerschlecken. Hier stehen Hochbetten an Hochbetten, die lediglich durch Bettlaken voneinander abgetrennt sind. Privatsphäre gibt es nicht und auch keine Ruhe für die Schulaufgaben. Seit zwei Wochen ist Jens deshalb mit seinem Mentee auf Wohnungssuche. Die staatliche finanzielle Leistung ist niedrig, eine Wohnung im Stadtzentrum aussichtslos. Aber auch in Marzahn kann man gut leben. Es ist vielleicht ungewohnt, aber das Zentrum schnell erreichbar und die Schule ganz in der Nähe. Dort wollen sie also ihr Glück versuchen. Wir drücken ganz fest die Daumen.